Über die Arbeit

Die Auseinandersetzung mit dem Thema ‚Raum‘ ist grundlegend für meine künstlerische Arbeit: wie kann ein Raum verstanden werden; wie entsteht er; wodurch existiert er; wie eigenständig ist er? Wie ist das mit der Begrenzung, Materialität und Transparenz? Bewege ich mich in ihm, oder bewegt er mich? Bin ich eins mit Ihm oder stehen wir uns gegenüber?

Ich habe mich in Bezug zu Räumen gesetzt und direkt mit ihnen gearbeitet, habe sie übertragen und abstrahiert. Ich bin dem Zusammenhang von Perspektive und Raum nachgegangen und fragte nach dem Bezug Mensch und Raum, nach deren Wechselwirkung und Durchdringung. Ich verstehe Raum als ein soziales Gebilde und oftmals auch als Stellvertreter für beispielhafte nichtbenannte Persönlichkeiten.

In den letzten Jahrzehnten ist ‚der Raum‘ theoretisch und künstlerisch vielfältig bearbeitet worden. Doch die Fragen werden nicht weniger. Das Verständnis für oder über ihn kann wohl zu keinem abschließenden Ergebnis kommen, er ist nicht greifbar. Das macht den Reiz aus, ihm weiterhin nachzugehen.

 

Die aktuellen Umwälzungen, die das Vertraute und die so sicher geglaubten Werte in Frage stellen, verunsichern, erschrecken. Welchen Einfluss haben die Veränderungen auf meine Wahrnehmung von dem, was mich umgibt?
Es gibt zur Zeit sehr viele Fragen, die kaum eine Antwort finden. Ich erwarte sie auch nicht von der Kunst. Doch sie sensibilisiert mich für die Ungereimtheiten.

In meinem jüngsten Projekt steht der Prozess im Vordergrund, Raum einnehmen und über die Grenzen des Arbeitsfeldes hinausschauen. Das Material MDF kommt mir sehr entgegen. Ich kann es bearbeiten und neu definieren. Stets spielt es eine große Rolle, dass ich nicht weiß, wohin sich die Arbeit entwickeln wird. Dieses Aushalten des Ungewissen und das Vertrauen darauf, dass es weitergeht, gibt die Impulse zum Fortgang der Arbeit. Durch sie bleibt das Entstehende offen und wandelbar.
Dieses Vertrauen, das ist die Grundlage zur Freiheit. Ich halte es für ein herausragendes Merkmal der Kunst, mit dem Ungewissen umgehen zu können und daraus die eigene Haltung zu festigen, aber auch die Haltungen anderer zu respektieren und so auf eine gemeinsame Zukunft zuzugehen.

Heute ist diese Haltung schwer zu verteidigen. Es scheint gerade nur ein ‚ja‘ oder ‚nein‘, ein ‚dafür‘ oder ‚dagegen‘ zu geben.
Ich kann den Menschen in und aus den Kriegsgebieten doch nicht sagen, sie sollen das Ungewisse aushalten, es sei gut für sie. Wie kommen nun die künstlerische und die existenzielle Freiheit zusammen?